künstlerhaus

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Um das jahrelang schwelende Feuer in der Diskussion um das Künstlerhaus ist dieses Jahr ja einiges an Zunder zugegeben worden. Aktuell kippt Christian Henze einen Eimer Brandbeschleuniger darauf, in Form eines Konzeptes, das er dem Wackeldackel Stadtrat vorgelegt hat. Im übrigen ist Herr Henze nicht der einzige mit Ideen für das Gebäude, allerdings muss er nun stellvertretend kurz eine Backe hinhalten ;-).

So soll das Gebäude an sich nicht abgerissen werden, sondern Renoviert werden, was sich ja im ersten Moment gar nicht so schlecht anhört, immerhin ist man in Kempten ja gerne recht schnell mit dem Abriss und Neubau – inkl. sehr fragwürdigen Design – wie sich's halt gehört für eine der ältesten Städte Deutschlands.

In den oberen Stockwerken sollen Wohnungen oder Büroräume entstehen, angesichts ~1500 neuer Studenten jedes Jahr und explodierender Mietpreise, braucht man letzteres äußerst dringend. Ein „Glaspavillon“ soll das Gebäude mit dem Parktheater verbinden, was einem beiläufig den Geschmack von stillen Teilhabern bzw. Mauscheleien verpasst, war das PT diesbezüglich mit eigenen Konzepten schon gescheitert.

Der untere Bereich soll mit einem „mediterranen Konzept für Jung und Alt“ glänzen, wo man ganztägig „preiswert Essen kann“. Ein Restaurant soll entstehen, mit einer kleinen Bar.

Dann frage ich mich mal eben was wohl mit den Schachspielern passiert, die den ganzen Nachmittag die Tische belagern und kaum Umsatz machen. Passen diese ins Konzept oder sollen sie sich zu ihresgleichen ins Altersheim scheren? Wobei man anmerken muss, das auch ein paar nicht Rentner dabei sind.
Was ist mit den Studenten, die sich zu konspirativen Sitzungen treffen und mangels Reichtum ganz froh sind, wenn Getränke und Speisen leicht unter dem örtlichen Durchschnitt liegen und das ganze in einer gemütlichen Atmosphäre.
Oder mit Leuten wie mir, die nach einem langen Arbeitstag mal ein Bier/KiBa/… zu sich nehmen wollen, ohne immer zu denken: Hier will ich nicht sein! Mir persönlich geht in den meisten Kemptener Kneipen so, das Künstler ist eine der wenigen Ausnahmen, sind die meisten alternativen viel zu ungemütlich und steril, typische Hippster Krankheitsherde eben.

Kempten braucht Orte wie das Künstler, was wir hier nicht brauchen, ist ein weiteres Restaurant – an genau diesem Standort – oder noch mehr überflüssige Schickeria, Pizza und Pastaschleudern haben wir alle mal schon genug und wenn es nur so geschmacksneutrale und überbewertete Läden (persönliche Meinung) wie das La Strada sind.

Das am Gebäude des Künstlerhauses etwas gemacht werden muss steht außer Frage, allerdings ist es fraglich warum die Stadt das nicht selbst machen kann? Sollen sie das Gebäude doch der KKU übergeben, oder zumindest die Renovierung vornehmen lassen. Ob wegen der Renovierung noch ein paar Schulden mehr dazu kommen, fällt angesichts der schon bestehenden KKU Schulden, aktuell etwa um die 100 Millionen Euro, vermutlich aber deutlich mehr, nicht mehr ins Gewicht.

Im G'sichtsbuch konnte man folgendes Lesen:
> Das Künstler Café ist aber für Familien mit Kindern nicht geeignet!!!!

Mein Eindruck zeigt hier etwas anderes, immerhin wird – gerade im Sommer – der Freiluftbereich gerne von Kindern mit ihrem Elterlichen Anhang belagert, ob nun etwas geeignet ist oder nicht, liegt ganz im Auge des Betrachters. Für Sagrotankinder kann dies durchaus Zutreffen, aber die benötigen mit spätestens 20 Jahren eh eine geschlossene Atmosphäre zum Überleben, mangels Immunsystem. Dass der diesjährige Sommer nicht repräsentativ für die Jahre zuvor ist, hat man der Müller Baustelle zu verdanken.

Letztendlich stellt sich noch die Frage, ob es eine gute Idee ist öffentliches Eigentum laufend an Investoren zu verkaufen, das ist schon in vielen Städten nach hinten Losgegangen und stellte sich oft als "etwas" Kurzsichtig heraus.

Das Allgäuer Käseblatt hat zu dem Thema auch eine kleine Umfrage gestartet, klick mich.

Update:
Inzwischen gibt es auch eine Stellungnahme des OBs. Wie immer sollte man das ganze mit Vorsicht genießen, heute gesagt weiß das morgen oft niemand mehr. Letztendlich darf ein gesunder Menschverstand nicht einschlafen, das wurde schon all zu oft ausgenutzt.

Links und Quellen: